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Nachruf für einen herausragenden völkerverbindenden, unermüdlichen Musikwissenschaftler und emphatischen Professor – Prof. Dr. Klaus-Peter Koch ging am 22. Juni 2026 von uns


Es ist so unglaublich und deshalb für mich so schwer diese unabänderliche Tatsache in Worte zu fassen, dass der Musikwissenschaftler Prof. Dr. Klaus-Peter Koch (geb. am 11. Dezember 1939 in Magdeburg) am 22. Juni 2026 in Bergisch Gladbach diese irdische Welt verlassen hat.


Ich lernte Prof. Dr. Klaus-Peter Koch 2013 bei den Händel-Festspielen in Halle/Saale persönlich kennen, als ich ihn bat, meine Masterarbeit über den Egerländer Liedersammler Albert Brosch zu betreuen. Ganz unkompliziert nahm er sich während der Konferenzpause eine ganze halbe Stunde Zeit, um mein Anliegen genau zu besprechen, gab mir Ratschläge und erklärte schlussendlich, dass er die Betreuung übernehme. Dieses unkomplizierte Zeitnehmen ist umso erstaunlicher, als er genau nach dieser Konferenzpause seinen eigenen Konferenzbeitrag halten musste.


Danach betreute er nicht nur meine Masterarbeit, sondern auch meine Promotion an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale und stand mir mit Rat und Tat zur Seite, war, ich muss es ehrlich sagen, vorbildhaft und ideal für einen Betreuer, stets ansprechbar, auch ganz kurzfristig, hilfsbereit, aber auch äußerst kritisch und forderte immer die bestmöglichste Leistung ab. 2019 zu seinem 80. Geburtstag gab ich, gemeinsam mit unzähligen Musikwissenschaftlerinnen und Musikwissenschaftlern, die seine Leistung ebenso hoch schätzen wie ich und ihn zu diesem Anlass ehren wollten, im Ortus Verlag (Beeskow / Berlin) eine Festschrift heraus. Diese wurde ihm am 12. Dezember 2019, also einen Tag nach seinem Geburtstag, im Rahmen eines Festaktes im Händel-Haus in Halle/Saale überreicht.


Doch der Kontakt riss auch danach nicht zu Prof. Dr. Klaus-Peter Koch ab, bis zu seiner schweren Krankheit, die ihn im Oktober 2024 zwang, alle Kommunikationswege aufzugeben, stand ich mit ihm schriftlich in Verbindung über aktuelle Forschungen, Forschungsfragen, aber auch private Angelegenheiten. Natürlich war die Hoffnung groß, dass er diese schwere Krankheit irgendwann bezwingen könnte, aber dem war leider nicht so.


Seine Berufung zur Musik war ihm schon im Kindesalter klar, denn Prof. Dr. Klaus-Peter Koch wollte entweder Pianist, Komponist oder Dirigent werden. Als Kind lernte er das Klavier- und Violinspiel bei Privatlehrern und an der Volksmusikschule Magdeburg. Wichtig für seinen weiteren Werdegang war allerdings auch die Tatsache, dass er in der Schule ab der 9. Klasse Polnisch und Russisch lernte. Folgerichtig studierte er 1960 bis 1962 Komposition bei Ruth Zechlin an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ in Berlin und 1962 bis 1967 Musikwissenschaft mit Nebenfach Psychologie an der Martin-Luther-Universität Halle/Saale u.a. bei Musikwissenschaftsgrößen wie Walther Siegmund-Schultze, Siegfried Bimberg, Günter Fleischhauer und Bernd Baselt. 1970 promovierte er, ebenfalls in Halle/Saale, bei Walther Siegmund-Schultze zum Thema „Der Tanz in deutschen Sammlungen des 16. und 17. Jahrhunderts. Ein Beitrag zu den polnisch-deutschen Musikbeziehungen“. 1980 erwarb er die Facultas docendi und habilitierte 1982 mit der Schrift „Beiträge zu einer Weltmusikgeschichte. Musikkulturen während der Urgesellschaft, der Periode der Herausbildung des Feudalismus und der Periode des entwickelten Feudalismus bis um 1600 in Gebieten des östlichen Mitteleuropas“. Anschließend war er 1973 bis 1993 erst unbefristeter Assistent, dann Oberassistent und ab 1983 Dozent an der Martin-Luther-Universität in Halle/Saale. Durch die Umstrukturierung nach der politischen Wende 1989/90 änderte sich für Prof. Dr. Klaus-Peter Koch sein Wirkungsort, er zog von Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) Anfang der 1990er Jahre nach Nordrhein-Westfalen. Denn 1992 wurde er Wissenschaftlicher Mitarbeiter, 1993 bis 1998 Direktor des Instituts für deutsche Musik im Osten (IDMO) in Bergisch Gladbach und 1998 bis 2003 Direktor des Instituts für deutsche Musikkultur im östlichen Europa (IME) in Bonn. 2002 erhielt er den Professorentitel vom Ministerium für Schule, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen und arbeitete 2004 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn im Forschungsprojekt „Deutsche Musikkultur im östlichen Europa“. 2005 ging er in der sogenannten (Un-)ruhestand, denn er war weiterhin als emsiger, stets wissensdurstiger, anerkannter Forscher auf den musikwissenschaftlichen Gebieten Deutsch-osteuropäische musikalische Wechselbeziehungen, Migrationsforschung, Georg Philipp Telemann, Reinhard Keiser und die Hamburger Oper, Samuel Scheidt, Valentin Haußmann, Georg Friedrich Händel und der Musikarchäologie tätig. Unzählige wissenschaftliche Beiträge, Herausgeberschriften und Bücher verfasste Prof. Dr. Klaus-Peter Koch, diese wirken weit über sein irdisches Dasein hinaus!


Dabei engagierte er sich herausragend für die allgemeine europäische Ausbalancierung der zuvor eher westlich orientierten Musikgeschichtsschreibung und knüpfte folglich enge Beziehungen zu Musik-wissenschaftlern aus ost- und südosteuropäischen Ländern, die bis zum Schluss fortbestanden. Dies zeigt sich u.a. auch in der Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Helmut Loos und Prof. Dr. Stefan Keym in der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für die Musikgeschichte in Mittel- und Osteuropa an der Universität Leipzig und der Herausgabe (mit den beiden genannten Musikwissenschaftlern) der „Musikgeschichte in Mittel- und Osteuropa. Mitteilungen der internationalen Arbeitsgemeinschaft an der Universität Leipzig“, an der er fast bis zum Schluss mitwirkte.


1991 war er Gründungsmitglied der Internationalen Telemann-Gesellschaft in seiner Geburtsstadt Magdeburg, wobei ihn vor allem die Verbindung zu polnischer und hanakischer Musik interessierte, sowie Mitglied der Internationalen Heinrich-Schütz-Gesellschaft, der Internationalen Adolph-Henselt-Gesellschaft und der Internationalen Händel-Gesellschaft in Halle/Saale.


Auch postum möchte ich nochmals, im Namen unzähliger Menschen, Prof. Dr. Klaus-Peter Koch für seine Weitsicht, sein breites Wissensfundament und seine ständige Neugier auf neue musikalische Fragestellungen, seine methodischen Innovationen, seine Selbstkritik, das Hinterfragen von Forschungsergebnissen, menschliche Aufmunterungen, sein Verständnis, seine Ratschläge, aber auch seine Ehrlichkeit und Kritik, seine Empathie und seine umfangreichen bahnbrechenden musikwissenschaftlichen Forschungen danken.


Prof. Dr. Klaus-Peter Koch wurde am 9. Juli 2026 in Bergisch Gladbach beigesetzt, möge er in Frieden ruhen und vielleicht von einer Wolke, oben am Himmel, auf das Geschehen hier unten auf der Erde blicken und seine schützende Hand über seine Familie halten und dabei auch ein Auge auf die weitere musikwissenschaftliche Forschung werfen. Genau so könnte ich es mir vorstellen!

Dr. Claudia Behn

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